Verstört blicke ich das Gesicht mir gegenüber an.
Lese in seinen Zügen in seiner Geschichte wie in einem offenen Buch. Das ist eines meiner Talente, die Geschichten der Menschen denen ich begegne an ihren Gesichtern abzulesen, hinter die Maske zu sehen. So weit ich diese Kunst auch perfektioniert habe die letzten Jahre, so unfähig bin ich diese auf mich selber anzuwenden.
Nun also zu diesem Gesicht in meinem momentanen Focus.
Es ist gezeichnet durch viele Erfahrungen, die sich deutlich in die noch junge Haut eingegraben haben. Die Augen blicken leer in die meinen und haben die triste Farbe von dreckigem Schnee, der am Rande einer mehrspurigen Autobahn liegt. Und noch brennt ein Feuer in ihnen, ein Funkeln, welches verrät das der Besitzer die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben hat. Er ist ein Kämpfer, das sieht man ihm an. Narben zeugen von einigen Abenteuern, vielleicht auch von der ein oder anderen Kneipenschlägerei. Seine Haare sind durcheinander und ungewaschen, erwecken vor meinem geistigen Auge das Bild eines Straßenköters, der viel mitgemacht hat, aber immer stolz seines Weges gegangen ist. Von diesem Stolz zeugt auch seine Haltung, die Nase hoch in den warmen Südwind des fliehenden Abends gereckt. Aufmerksam die Luft einziehend, auf der Suche nach einem bestimmten Geruch, dem Geruch von Lagerfeuern, Großstadtsmog und einem Hauch von Zimt in weiter ferne.
Eben der Geruch des Abenteuers.
Wie Schriftzeichen haben sich all die verpassten Gelegenheiten in sein Antlitz gemeißelt, jede gute Idee die aufgrund ihrer Absurdität gleich wieder verworfen wurde, all die gebrochenen Versprechen und die verlorenen Momente springen mir förmlich ins Auge.
Bei dieser Art der Analyse beschränke ich mich meistens auf solche Details und lasse trauriger weise das Gesamtbild zu häufig ausser Acht und doch ist mir diese oberflächliche Betrachtungsweise diesmal nicht genug. Ich nehme das Gesicht meines Gegenübers als ganzes in meinen Blick. Auf seine verschroben melancholische Art und Weise ist es ansprechend, zu speziell um wirklich als schön durchzugehen, aber nicht unattraktiv.
Es zeugt von vielen gerauchten Zigaretten, rasch hinuntergekippten Drinks und von einer Vielzahl langer und tiefschürfender Gespräche an allen möglichen Orten dieser Welt und ich weis nicht wie ich meine Empfindungen einschätzen soll, die von der Masse der gelieferten Informationen wirre Kreise drehen. Unfähig meinen Blick abzuwenden versuche ich, mir jedes kleine Detail einzuprägen, doch will mir das nicht so recht gelingen. Wie Sand rieseln die Eindrücke durch mich hindurch. Eingehend fixiere ich wieder diese Augen, die von einer tiefe Zeugen in der man sich nur zu leicht verlieren kann, ob auf die eine oder die andere Weise, als mir ein Windstoß durch die Haare fährt und die Bäume um mich herum zum wanken bringt.
Irgendwo weit über meinem Kopf löst sich ein Blatt von einem der Äste, unfähig dem fordernden Wind standzuhalten und segelt langsam der Erde entgegen.
Es landet auf der bis eben noch spiegelglatten Oberfläche des Teichs vor mir und das Gesicht, eben noch so konkreter Gegenstand meiner Untersuchung, verschwimmt und wird zur Unkenntlichkeit verzerrt.
Mitternächtliche Offenbarung
Veröffentlicht in Der ganz normale Wahnsinn am Juli 11, 2009 von timserinAlte Gewohnheiten, oder: Wie der Füller seinen Stolz verlor.
Veröffentlicht in Der ganz normale Wahnsinn am März 25, 2009 von timserinKennt man ja, die meisten von uns werden in der Schule wahrscheinlich mit einem Füllfederhalter gelernt haben zu schreiben.
Hatte ja auch was nostalgisch schönes, gut damals noch nicht aber im Rückblick allemal, so mit blau beklecksten Fingern nach Hause zu kommen und stolz die geschriebenen Zeilen zu präsentieren.
Mit der Zeit verkam schreiben zu einer alltäglichen Tätigkeit, der man nichtmal gerne nachging.
Und sehr, sehr oft wurde spätestens auf einer weiterführenden Schule der Füller gegen einen Kugelschreiber eingetauscht, weil es schneller ging und sauberer war, wenn man mal hastiger schreiben musste.
Also verschwand der Füller im Mäppchen und vegetierte unbeachtet von uns vor sich hin.
Er sah viele Kugelschreiber kommen – und auch wieder gehen, und lag einfach so in der muffigen Dunkelheit vor sich rum.
Eines Tages packte uns jedoch die Sehnsucht, nach den schön glänzenden, geschwungenen Linien unseres Federhalters und wir kramen ihn hervor.
Nur, an die Gefühle des Tintenschreiberlings denkt natürlich niemand. Wir ziehen in nach Monaten, ja Jahren des Desinteresses einfach wieder hervor und erwarten das er uns so treue Dienste leistet wie in vergangenen Tagen.
Der Füller nun könnte sich weigern. Er könnte die eingetrocknete Feder nicht wieder ins Leben rufen und uns hängen lassen.
Wir würden kurz und heftig mit ihm über das Papier krakeln, kurz fluchen und ihn wieder wegstecken oder gar wegschmeißen.
Doch was tut er in der Realität?
Er vergisst seinen Stolz und die Kränkungen der letzten Zeit und erfreut uns mit einem neuerlichen Fluss an marineblauer Tinte und unsere Gefühle für den Füller steigern sich ins unermessliche, auch wenn wir in wahrheit nichtmal ansatzweise zu schätzen wissen das er uns diesen Dienst nicht verweigert.
Ich bin der Füller.
20 Sekunden Horrortrip
Veröffentlicht in Der ganz normale Wahnsinn am März 23, 2009 von timserinIch öffnete die Tür des Zimmers. Es lag in einem düsteren Zwielicht und meine Augen mussten sich erst an die Dunkelheit gewöhnen. Als ich alles etwas besser sehen konnte, sah ich SIE.
SIE lag auf dem schwarzen Sofa in merkwürdig verdrehter Pose.
Ein Arm lag hinter IHREM Kopf und zeigte zur wand, der andere baumelte von der Couch herunter und IHRE Finger berührten ganz sachte den Dielenboden. IHRE Beine hatten sich in einem komplizierten Gewirr mit der Wolldecke, welche auf dem Sofa zu liegen pflegte, verknotet.
IHRE nackte, schneeweiße Haut hob sich deutlich vom Schwarz der Couch ab und wirkte seltsam deplatziert.
Mit angehaltenem Atem näherte ich mich IHR.
Im näherkommen hörte ich mein Herz laut pochen und das Blut rauschte mir durch die Ohren.
IHRE Hand war schlaff und kalt.
Kein Puls, keine Reaktion als ich SIE berührte. Verzweiflung stieg in mir hoch.
Ich flüsterte IHREN Namen, die Tränen rannen mir über die Wangen. In schrecklicher Trauer, gepaart mit Verlustängsten rief ich erneut laut IHREN Namen.
Erschrocken öffnete SIE die Augen und sah mich an.
“Du liebst mich.”, sagte SIE und küsste mich und ich,
-wache schweißgebadet mit IHREM Namen auf den Lippen auf.
In den 20 Sekunden, in denen ich SIE für tot gehalten hatte, empfand ich Furcht, Abscheu und Bedauern, aber in einem tiefen, unerforschten Winkel meiner Selbst hatte ich auch erkannt, das ich ohne SIE leben kann, konnte und können werde.
Kein schöner Traum.
GedankenFalter
Veröffentlicht in Der ganz normale Wahnsinn am Februar 6, 2009 von timserinWas auch immer ich tue. Was auch immer ich sage. Was auch immer ich denke. Was auch immer ich fühle. Ist es denn wichtig? Für die Gesellschaft??? Ich denke nicht. Was bringt es schon sich den Kopf zu zermartern was andere von einem denken, einem gegenüber fühlen… Eine Antwort erhälst du nicht. Nur Vermutungen und Annahmen. Doch diese können täuschen. Sehr sogar.
Aber wer kann schon etwas gegen Gedanken tun?! Sie fließen einfach. Man kann ihnen nur lauschen und sich im schlimmsten Fall bis auf die Grundmauern des eigenen Selbst schleifen lassen… Man frag sich: Warum lasse ich das zu? ICH antworte mir: Weil ich es irgendwie WILL. Ich will sterben. Tausende Male. Und immer wieder neu geboren werden. Auf dass der Fluss der Selbstmarter in einem Meer aus Tränen des Glücks münden möge. Ein ganzes Gebirge, das sich einen Weg hinfort vom geplagten Herzen bahnt. In diesem Meer nie mehr gefühlt unter geht.
Dies ist meine Liebe und meine Wut, ein Lachen und eine Träne. Leiden! Liebe ich es zu leiden? Nennt man das Liebe? Absurdität? Schmerzgeilheit?!? Ist denn die Antwort wesentlich? Ich bin ich und du bist du. Wir SIND!!! DAS zählt doch.
Sich selbst aufgeben? – Nur äußerlich.
Alles Leben und Lieben hassen? – Ein Machtspiel…Wer hält durch?!
Sich in dieser Agonie verlieren? – Ganz tief verwurzelt und doch nur äußerlich.
Den Geist von Gefühlen leer fegen? – leider[?] nur eine Fassade.
Die Fahne der Freundschaft und Liebe hoch halten? – Im Strom meines Herzblutes ertrinkend…Wesentlich!
I will wake you up at night…
Sonne im Gesicht, Hände in den Taschen
Veröffentlicht in Der ganz normale Wahnsinn am Januar 8, 2009 von timserinDie Winterferien sind mal wieder vorüber.
Schade eigentlich, den es war eine, ja doch, schöne Zeit. Zumindest größtenteils.
Irgendwann in dieser ruhigen, dunklen aber auch sehr familiären Zeit habe ich den Entschluss gefasst, den nächsten Abschnitt meines Lebens, welcher ab Mitte des Jahres, mit dem Ende der HBF beginnt, nicht in Deutschland zu verleben.
Zunächst dachte ich an Auswandern, aber das ist ja auch alles ein ziemlicher Organisationsaufwand, also habe ich eine Stufe kleiner nach Lösungen gesucht.
Entschieden habe ich mich vorerst für ein freiwilliges soziales Jahr, am liebsten in Alaska.
Ich liebe die Landschaft und Natur in Alaska und das wäre bestimmt mal ein guter Gegensatz zu der Umgebung und Lebensweise, welcher ich die letzte Zeit anhing.
Das wäre ein Jahr, in dem ich Zeit hätte mich mit den Dingen, die mich, auch in meinen Blogs, beschäftigen und mit mir selber ausgiebig auseinander zu setzten, in dem ich zur Ruhe und vielleicht auch zu innerer Zufriedenheit gelangen könnte.
Klar, das im Laufe dieser Überlegungen etwas passieren musste, was all meine schönen Vorstellungen ins schwanken bringen konnte.
Ich habe etwas gefunden, etwas von dem ich nicht wusste das es noch existiert und das ich lange gar nicht mehr kannte. Nun liegt es an mir meinen Fund zu pflegen und zur Blüte zur treiben.
Nach Alaska will ich trotzdem. Auch wenn mir die Temperaturen vor meiner eigenen Haustür momentan einen ungemütlichen Vorgeschmack auf die dortigen klimatischen Verhältnisse vermitteln. Da macht Ferienende nochmal gleich so viel Spaß, wenn man bei -20°C um 7AM am Bahnhof steht und vor lauter Zittern kaum die Zigarette halten kann.
Umdrehen weiterschlafen heißt da die Devise.
Bis morgen früh.
Kaffe, Kippe, Sinnkriese.
Veröffentlicht in Der ganz normale Wahnsinn am Dezember 29, 2008 von timserinAugen auf, der Kopf wehrt sich vergebens gegen diesen hämmernden Schmerz, der hinter beiden Schläfen pocht. Ich stehe im Badezimmer. Naja, nicht in meinem, also stehe ich in einem Badezimmer. Es ist bitterkalt und ein frösteln klettert meine nackten Beine hinauf. Das helle Tageslicht blendet und ich kneife meine Augen fest zusammen. In der entstandenen Dunkelheit flirren die Bilder der letzten Nacht wie ein unscharf aufgenommener Film vorbei.Tanzende Schatten die ab und zu verzerrt aus Nebel und Zigarettendunst auftauchen, Menschen, Gesichter, mit verschmierten Konturen und verwischter Struktur. Angeekelt wende ich meinen Blick wiedermeiner Umgebung zu.
Bloß nicht mit den Schatten der vergangenen Nacht herumschlagen, diese Schose nicht noch einmal durchleben, nur an etwas anderes denken, nur an was? An Morgen? Nein, auch nicht an morgen, denn von morgen weis ich noch weniger als von gestern und mit behagen erfüllt mich das nicht. Also an das jetzt un hier, jenen zweifelhaften Zustand zwischen gerade mit albtraumhaftem Kater aufgewacht, nach Klamotten, Kippen, Alkohol oder eventueller weiblicher Begleitung gesucht und der Frage wo und mit wem man sich später am Tag noch abschießen kann. Leben auf der Überholspur, die man so schnell nicht mehr verlässt. Zum einen, weil auf den gemütlicheren Fahrstreifen der Verkehr zu dicht ist, zum anderen aber auch weil ungestört Gas geben zu können ein verdammt noch mal geiles Gefühl ist. Ich werde immer euphorischer und spüre die Kälte des steril wirkenden Raumes kaum noch.
Unter anderen Umständen könnte ich gut noch ein wenig Zeit damit verbringen, hier zu stehen und über meinen Lebensstil und -standart nachzudenken, aber wer weiß wer hier noch so alles auf die Toilette muss, bin ja wahrscheinlich nicht alleine hier, wo immer ich auch genau bin.
“Kaffee ist fertig!”
Aha es sind tatsächlich andere Menschen anwesend hier und sie haben Kaffee gekocht. Hatte echt schon schlechtere Starts in den Tag.
Ich ziehe mich soweit an, wie mir die bruchtückhafte Ausstattung meiner Kleidung erlaubt und krame gedankenverloren nach meinen Zigaretten.
Im rausgehen werfe ich noch schnell einen kurzen Blick in den hier hängenden Spiegel und die Spuren, die die letzte Zeit auf meinem Körper hinterlassen hat. Aus dem benachbarten Raum riecht es nach Kaffee.
Ich hatte echt schon schlechtere Starts.
Like a bird without a song.
Veröffentlicht in Der ganz normale Wahnsinn am Dezember 25, 2008 von timserinDie größte Angst eines, nennen wir es mal Schriftstellers, ist die Angst vor dem weißen Blatt Papier, in meinem Fall der weiße Hintergrund meines Computerbildschirmes.
Ich kann sicher nicht für die Allgemeinheit sprechen, aber bei mir wird das geschriebene Wort stark durch meine Gefühle beeinflusst und genau da liegt momentan das Problem. Seit meinem Absturz in dieses Emotionale Tief habe ich mich gefühlsmäßig auf der Leiter kaum nach oben bewegt. Ok, ich muss zugeben das es Lichtblicke gab, die eine steigende Tendenz meiner aktuellen Lage mutmaßen lassen, allerdings dauern diese nie wirklich lange an.
Nun gehe ich vor die Tür und zünde mir eine Zigarette an. Unwillkürlich erschaudere ich beim Anblick der leeren, grauen Straßen.
Ich ziehe den Reißverschluss meiner Jacke ganz zu und beginne zu laufen. Eigentlich weis ich längst das ich von hier weg muss. Am besten so weit wie möglich und sosehr ich das auch will, kann ich doch nicht. Nicht so lange es noch Dinge gibt, die geklärt werden müssen und von denen ich weis das sie wahrscheinlich nie beendet werden.
Ich fühle mich einsam und das ist ein neues, unangenehmes Gefühl. Anders als alleine. Allein habe ich mich schon oft gefühlt, das ist ein gutes Gefühl, frei und unabhängig. Einsam spielt in einer ganz anderen Liga und langsam fällt mir auf, das es nichts bringt sich an Menschen zu hängen und mit diesen ununterbrochen Party zu machen, so gut sich das für den Augenblick auch anfühlt.
Ich frage mich wie lange das alles noch so weitergehen soll und fürchte mich vor der Antwort. Meine tristen, grauen Augen spiegeln sich in den Weihnachtlich geschmückten Schaufenstern und ich wende mich angewidert ab. Ich hasse Weihnachten.
Jaja, ich weis “Fest der Liebe”, selten einen so guten Witz gehört. Zumindest in letzter Zeit.
Also tue ich als wenn nichts wäre und führe mein Möchtegern Rockstarleben weiter, taumel von einem verkoksten VIP Bereich in den nächsten, nehme alles mit was geht, verausgabe mich und fühle mich weiterhin leer. Ausgehöhlt, als Schattenhaftes Abbild meiner Selbst.
Oh boy you´ve pass the exit – ja ich weis.
Meine Kreativität liegt mit Füßen getreten am Boden – lass liegen, tritt sich fest und meine Selbstbeherrschung baumelt am Strang hormoneller Wut.
Könnte ich die Zeit nur zurück drehen, alles ungeschehen machen. Das Ereignis vermeiden, welches mir nun seit 2 Monaten die Lebensfreude nimmt und mich in das Abseits des Vergessens drängt.
Ich ziehe mein Ego an und lasse mein eigentliches Ich im Schrank. Ich kann mir Verletzlichkeit nicht leisten. Nicht mehr und vielleicht nie wieder. Je mehr ich mich selber wieder erkenne, desto fremder bin ich meiner Umwelt. Ich verändere mich, doch nicht im evolutionären Sinn, sondern diesem Vorgang entgegenwirkend. Eine Rückentwicklung zu meinem eigenen Selbst und es bringt mir gar nichts, ausser der Gewissheit, mit diesem Leben nicht ansatzweise so gut zurecht zu kommen wie ich immer dachte. Auch wenn sich die Wunden langsam schließen, bleiben doch Narben zurück, Narben auf einer ohnehin schon geschundenen Seele.
Wozu Geschenke machen, wenn sie nicht gewürdigt werden? Ich behalte mal wieder alles für mich und merke das meine Staumauer Risse bekommt, der Zusammenbruch steht wieder kurz bevor und vielleicht kommt er ja mit einem großen Knall am Ende des Jahres. Wäre doch äusserst passend.
Groß auffallen würde es nicht, dafür ist mein Schauspiel mitlerweile zu gut. Nur bei einem tiefen Blick in meine müden Augen würde die Prüfung nicht standhalten, aber dafür nimmt sich heute niemand mehr die Zeit. Überall wird man von kurzen, schnellen Seitenblicken taxiert, die sich in sekundenschnelle ein Bild von dir machen, ohne das du den geringsten Einfluss darauf nehmen könntest und ehrlich gesagt habe ich das Interesse daran auch verloren. Ich lebe lieber im Kreis der Freunde die ich habe und pflege meine soziopatischen Störungen. Wenn ich sonst keinem Leid tue, dann wenigstens mir selber.
Mit diesem Gedanken im Kopf, einer Träne im Auge und einem lächeln auf den Lippen schlafe ich ein.
Eigentlich die richtige Stimmung für eine Schlaftabletten und Rotwein Party.
Vielleicht nächstes Jahr.
Kreativitätsstau.
Veröffentlicht in Der ganz normale Wahnsinn am Dezember 24, 2008 von timserinsomeone should paint my soul red like the fucking hellfire . Ich brenne . Ich weis nicht wohin mit meiner Energie . Ich beeinflusse und maipuliere die Menschen in meiner Umgebung . Ich liebe . Ich hasse . Ich stürze mich in Alkoholrausch, feiere wilde Parties und verstecke meine Augen hinter einem Schleier aus Zigarettenrauch . Ich sterbe für meine Freunde . Meine Feinde sterben für mich . Ich werde begehrt . Ich bin verloren . Orientierungslos . Imaginäre Glasssplitter in meinem Kopf . Zereissen mir die Sinne und Gedanken . Ihr alle seit Figuren in meinem Theaterstück, doch längst schon habe ich keinen Einfluss mehr auf die Handlung . Beobachte Einzelschicksale . Fetischiere abgefuckte Menschen . Lebe im Dreck . Großstadtschatten als Abbild in diesem unschuldigen Dorfjungen . Ewig auf der Suche, doch nie gewillt etwas zu finden . Unabhängig aber Unfrei . Wohin soll das führen? . Erwartungsfroh und doch abgeschreckter Blick nach vorn . Zukunft? . Kenne ich nicht . Lebe im hier . Versuche das beste draus zu machen . Falle hin . Stehe auf . Missverstanden . Als anführer der Vergessenen . Ein Mensch wie alle anderen und trotzdem anders .
a long journey
Veröffentlicht in Der ganz normale Wahnsinn am November 28, 2008 von timserinWiedermal in einem Zug. Wiedermal auf dem Weg in eine weit entfernte Stadt.
Und mit jeder Meile die der Zug sich vorwärts bewegt, weg von Zuhause, fühle ich mich heimischer. Nicht das es mir zuhause nicht gefiele, aber ich bin nicht besonders gerne über längere Zeit an dem selben Ort. Die Frankfurter Skyline verschwindet langsam in der Schwärze der Nacht und ich lehne mich gemütlich in den bequemen Sitz dieses ICEs.
Manchmal frage ich mich nach dem Grund für meine stete Unrast. Meine innere Unruhe.
Was ist es, das ein Gefühl von Wohlbehagen in mir auslöst, wenn ich in einer fremden Stadt das Bahnhofsgebäude verlasse und die ersten Sinneseindrücke der Metropole auf mich wirken lasse.
Spannung durchflutet mich. Neugier, auf alles was diese neue Stadt mir wohl zu bieten hat. Die Häuser, die Menschen darin und deren Geschichte.
Ein Reisender, der nach immer neuen Anekdoten von Menschen die ihm unterwegs begegnen.
Und dabei geht es mir nicht nur um die neue Umgebung und die fremden Menschen.Schon das Gefühl einfach Unterwegs zu sein, weckt tiefe Behaglichkeit in mir.Ein ruheloser Geist, der schon viel gesehen hat, aber einfach nicht genug bekommen kann.Wahrscheinlich ergibt all mein Handeln irgendwann einen Sinn. Irgendwann werden ich verstehen warum ich mich selber ständig dazu treibe durch die Welt zu reisen.Ein Großteil der Befriedigung in mir rührt sicherlich davon, dass ich den Problemen die sich an einem Ort angesammelt haben für einige Zeit entrinnen kann und da ich zuhause nun doch noch die meiste Zeit verbringe, ist die Erleichterung von dort weg zu kommen am größten.Oft sind meine Ausflüge in die Ferne begleitet von wilden Party Exzessen und der ein oder anderen wirklich Spannenden Begebenheit.Ich recke die Nase in den Wind und es riecht nach Abenteuer.Die Landschaft neben mir zieht mit wahrscheinlich über 250 Stundenkilometern an mir vorbei und mich ergreift zum ersten mal seit langer Zeit eine tiefe innere Ruhe. Trotz des Unbekannten das folgt, trotz der Neugier, hier habe ich massig Zeit, Zeit um mir meine Gedanken zu machen.Und die mache ich mir, wahrscheinlich intensiver und klarer als irgendwo sonst.Manche meiner Probleme erscheinen auf einer Reise einfach nur noch lächerlich klein.Nichtig, bis ich am Ende des Wochenendes wieder in den gewohnten Trott des Alltages zurückfalle und mich der Trostlosigkeit meines heimatlichen Zimmers ergebe. Mir drängen sich Fragen auf.Wie lange soll und kann das noch so weitergehen, wann hat die Haltlosigkeit endlich ein Ende und was wird aus den Menschen, die ich auf meinen Reisen treffe. Was noch viel wichtiger ist, was wird aus den Menschen, die ich immer und immer wieder hinter mir zuhause zurücklasse.Alle meine Wochenenden verplane ich dreifach, muss mich schließlich für eine Option entscheiden, doch woher weis ich, welche die Richtige ist. Wenn ich dorthin fahre, werde ich woanders das Ereignis des Jahres verpassen und umgekehrt?Panische Angst davor, etwas zu verpassen. Sie begleitet mich schon mein Leben lang.Damals als kleines Kind konnte ich nichtmal auf den längsten und ereignislosesten Reisen auch nur eine Minute schlafen. In jeder verschlafenen Minute konnte etwas passieren und das hat sich bis heute nicht geändert.Geht es anderen Menschen genauso? Freunden sie sich irgendwann mit ihrem Alltag an und nehmen ihr Leben hin, oder sind sie auch auf der Suche, so wie ich. Auf einer Suche, von der ich nicht weis wohin sie mich führen wird.Ich weis ja nichtmal wonach genau ich suche und ob ich es erkenne wenn ich es gefunden habe.Vielleicht ist der Weg ja doch das Ziel.Natürlich hat auch dieser Form der Freizeitgestaltung große Nachteile. Egal wie viele Menschen man trifft, was man erlebt und wohin die Reise führt. Letzten Endes ist man ständig alleine. Und doch nie wirklich. Bunt geht es zu auf den Straßen der Welt, laut und hastig. Doch im Grunde interessiert sich niemand für mehr als das was er gerade sieht. Und ich frage mich, wie viele Menschen ich noch treffen werde, die ihre Geschichten, ihre Leben so bereitwillig vor mir ausbreiten werden wie bisher. Wahrscheinlich noch einige, denn auch wenn es vielleicht nur wenige Minuten oder Stunden sind, so genießen sie in dieser Zeit doch meine volle Aufmerksamkeit. Nicht wie sonst, wenn die Menschen nur darauf warten, das sie an der Reihe sind mit Reden.
Dum spiro spero.
Veröffentlicht in Der ganz normale Wahnsinn am November 17, 2008 von timserinNun, nach langen Gesprächen, nach Abenden voller Selbstreflektion und voller guter Ratschläge versinke ich wieder zurück in einen Zustand stillen vor mich hinbrütens.
Alles in mir sträubt sich beharrlich gegen das weitere Nachdenken, will einfach nichtmehr, aber, etwas anderes bleibt mir ja nun nicht mehr übrig.
Es war wiedermal eine Situation, wie aus einer Satire.
Eine Nachricht, die das ganze Konstrukt meiner Person in sich selbst zusammenstürzen lässt, so beiläufig vom Stapel gelassen wie ein einfaches: “Schönes Wetter, oder?”
Und ich legte meine Maske auf, wiedermal, hundertfach geübt, ohne das jemand etwas gemerkt hätte, ohne das sie sahen wie tief mich diese Neuigkeit getroffen hat.
Und ich frage mich selbst warum eigentlich. Im Prinzip wusste ich es. Ich wusste es von Anfang an.
Aber ich wollte es einfach nicht wahr haben. Zu absurd die ganze Geschichte in ihrer Gesamtheit, aber doch unausweichlich.
Wie so oft verfluche ich mich für meine Untätigkeit, dafür nichts getan zu haben, nicht die initiative ergriffen zu haben, einfach nur alles mit stummer Ohnmacht hingenommen zu haben. Zu ängstlich gewesen zu sein, zu schwach.
Und nun muss ich mir nach dieser Selbstfindungsphase die eigene Schizophrenie vor Augen führen.
Den Disput mit meinem anderen ich suchen und mir selbst klar machen, als welcher von beiden ich mich eigentlich selbst definiere.
Als der Tim, der sich über jede Kleinigkeit tagelang den Kopf zerbricht, alle für- und widers abwägt, der gerne lange Gespräche führt, gute Musik hört, für Freunde da ist und Freunde hat die für ihn da sind, oder den Tim der immer nur aus ist, sich betrinkt, Party feiert mit vielen Leuten, unmoralische Angebote nicht ausschlägt und immer mehr vereinsamt. So absurd es auch klingt, ich bin mir noch nicht sicher.
Denn letztere Alternative ist bequem, aufregend und immer sehr spontan – Eigenschaften die ich sehr schätze. Alternative eins hingegen lenkt das Leben wieder in geregeltere – aber auch langweiligere – Bahnen zurück. Nur eins weis ich hundertprozentig: Nie wieder werde ich die Menschen die ich mit Stolz und Recht meine besten Freunde nenne, für flüchtige Feier-Bekanntschaften vernachlässigen.
Ich wandere gedankenverloren durch die Zimmer dieses Hauses, als ich vor dem großen Spiegel im Flur stehenbleibe, ich drehe mich um und blicke in dieses Gesicht, ein Gesicht das wohl mal meines gewesen ist. Nun allerdings glühen mich 2 eingefallene Augen boshaft an und im Schatten der dunklen Ränder unter ihnen scheinen sie aufzuglühen.
Mir fällt auf das ich mich nach und nach immer mehr selbst verliere. Ich versuche zu lächeln, doch das Gesicht im Spiegel grinst mich nur hämisch an und ein irres Lachen dringt durch meine Kehle.
Wie weit wird das noch gehen?