La chair est triste, hélas, et j´ai lu tous les livres.

Das hier sollte eigentlich ein heiterer Blogeintrag über meine Klassenfahrt nach Hamburg werden, doch größere Ereignisse überschatten die Fröhlichkeit der letzten Tage.
Gesagt sei an dieser Stelle nur so viel, das es mir so gut gefiel, dass ich mich momentan nach freien Stellen als Fotograf in Hamburg umschaue.
Nun (wiedermal) zu meinem momentanen Gefühlszustand. Es ist der Fall eingetreten, den ich am meisten von allen anderen gefürchtet habe. Und ich kann einfach nichts dagegen tun. Ich bin mit allen meinen Weisheiten am ende und scheitere wiedermal an einer Kraft von der ich schon so viel gehört habe, die mir so viele Steine in den Weg gelegt hat, die mich schon oft zur Verzweiflung trieb und die mich bis auf ein einziges Mal nie ergriff. Vor allen Dingen aber eine Kraft, die ich nie verstanden habe und die ich wahrscheinlich so schnell auch nicht verstehen werde.
Ich spreche (natürlich) von der Liebe. Liebe, das war (und ist) für mich immer ein sehr abstraktes Wort gewesen, das ich oft auch viel zu leichtfertig benutzt habe. Doch das eigentliche Drama ist nicht die Liebe, sondern Liebende, Menschen, die ihr verfallen sind. Und jegliche Form rationalen und logischen Denkens ablegen. Ich kann mit dieser Form der Naivität einfach nicht umgehen.
Verliebte Menschen werfen leichtfertig Dinge weg, die sie vielleicht doch bitter benötigen.
Ihre Freiheit, ihre Träume, ihre Persönlichkeit, ihre Bedürfnisse und zu guter letzt Freundschaften.
Ich mag mich irren, aber Freundschaft ist für mich eine wesentlich konstantere Größe als Liebe.
Und selbst wenn die Liebe mal 15 oder gar 20 Jahre überdauert stehen dahinter Freunde die man eben schon seit 35 Jahren kennt und die werden auch noch da sein wenn die Flamme der Liebe mal verloschen ist. Oder halt eben auch nicht, weil sie kaltherzig und vorschnell in die Wüste geschickt wurden.
Und eben genau das ist die beste Metapher für mein Seelenleben zur Zeit.
Emotionale Wüste, unendlich kalte Weiten, karge Einöde.
Nicht, das diese Beschreibungen ungewöhnlich für meine Person wären, nur gab es in letzter Zeit Hoffnungsschimmer, Regen, der auf trostloses Gelände fiel und die jahrelang schlummernden Samen zum wachsen brachte. Und nun, wie ich zugeben muss nicht ganz unerwartet, hat jemand die oberste Schicht dieser fruchtbaren Erde weggerissen, ein riesiges Dach gebaut das den Regen abhält und die zurück gelassene brache Landschaft mit Säure verätzt um auf lange Zeit jegliches Leben unmöglich zu machen.
Ich weis einfach nichtmehr weiter.
Geschlagene 15 Minuten stand der letzte Satz da. Ich weis nicht nur nicht mehr weiter, ich weis noch nicht einmal was ich schreiben soll. Ich bin so dermaßen enttäuscht, traurig und hoffnungslos, das ich jeglichen Antrieb verloren habe. Ich verstehe das alles einfach nicht, ich kann diese Gedankengänge und Entscheidungen, dieses ganze Verhalten einfach nicht nachvollziehen. Und ich halte wiedermal her. Als Ablenkung, als Spielzeug, als Begleiter in die böse, dunkle Unterwelt, um den Hauch des Verbotenen zu schnuppern. Und ich stehe da wie der letzte Idiot. Ich weis nicht was ich auf die Fragen der anderen Antworten soll, warum man uns nichtmehr zusammen sieht. Und ich bin einfach ruhig. Weil mir durchaus am Glück des anderen gelegen ist, auch wenn man das oft nicht glaubt. Im Gegensatz zu manch anderen. Sie heucheln Mitgefühl und Anteilnahme und in Wahrheit treffen sie einfach Entscheidungen, die einige lange Gespräche in deren Vorfeld nötig gemacht hätten. Letztendlich, egal was sie auch sagen, ohne Skrupel.
Ich habe wiedermal einen Schlag kassiert, von dem ich mich wahrscheinlich lange Zeit nicht erholen werde. Wiedermal sind jegliche Versuche meinerseits, aus meinem Leben auszubrechen, im Keim erstickt worden. Und es ist okay. Man verleugnet Freundschaften. Und es ist okay. Man tritt mich mit Füßen. Und es ist okay. Man spielt mit mir, wie die Katze mit der Maus bevor sie sie frisst. Und es ist okay. Man schickt mich 4 Wochen in den Südseeurlaub um mich danach in die schwärze der Isolationshaft zu werfen. Und es ist okay. Weil ich immer schon der Arsch für alle war und nun auch weis das ich das auch weiterhin bleiben werde. Ich bin es immer der auf der Strecke bleibt, der zurückgelassen und aufgegeben wird, für Ideale, für die Rückkehr zur Normalität oder für den idealen Partner. Mit Vertröstungen und gutem zureden. Ich bin ja stark, ich steck das weg, mir macht so etwas ja nichts aus.
Und doch fühlt es sich gerade an, als hätte man mir mein Herz mit einem stumpfen, rostigen Messer grob herausgeschnitten. Und keinen kümmert es, keiner kommt auch nur auf die Idee das etwas nicht stimmt.
Wie auch, ich gehe feiern, ich betrinke mich, ich bin der Typ der immer an der Bar steht und lustig ist. Und ihr seid alle blind, desinteressiert und taub für die Probleme anderer. Nein entschuldigung, das stimmt so nicht ganz, für die Probleme anderer Menschen habt ihr Zeit und Kraft übrig ohne ende, nur für meine halt nicht. Also gebe ich meine Stimmungen öffentlich hier preis, und gehe das Risiko ein, einmal mehr als hoffnungslose Witzfigur zu gelten. Und das ganze wahrscheinlich auch noch zu Recht. Ich weis einfach nichtmehr wem ich mich noch anvertrauen soll und wer überhaupt noch Wert darauf legt. Ich weis nicht was ich machen soll oder wie ich mit der Situation fertig werden soll. Wahrscheinlich werde ich sie in Unmengen von Alkohol und anderen Lastern ertränken, verschütten. Und das so lange bis die Dreckschicht darüber so dick ist, das selbst ich nichtmehr herankomme. Dann ist wiedermal ein Problem erfolgreich verdrängt, meine Emotionen weiter abgestumpft, meine Fähigkeit anderen Menschen zu vertrauen wieder vermindert und vor allem meine Fähigkeit zu lieben wiedermal kurz und klein geschlagen, nur gelöst ist wiedermal garnichts. Irgendwie habe ich es aber auch nicht anders verdient. Ich hätte es früher wissen müssen und im Prinzip habe ich es vorher gewusst. Und ich bin trotzdem offenen Auges in mein Verderben gerannt. Ich hab mich aus dem kaputten Morast der Straße mal wieder in Bereiche vorangewagt, derer ich einfach nicht würdig bin, in die ich nicht hereinpasse und in welchen man mich auch garnicht haben will, wie ich wiedermal auf schmerzliche Art und Weise feststellen musste. Und doch bin ich in keinster Weise überrascht. Man hat es mir ja gesagt und ich habe nicht hören wollen. Nun muss ich mit meiner persönlichen Form der Naivität zurechtkommen.

Und keiner Bereut seine Taten, ich schon, ich bereue jeden Tag und jede Nacht.

 

Soundtrack des Momentes: Farin Urlaub – OK

 

„Absolut nichts ist in Ordnung
Absolut nichts ist Ok
Verkneif dir jegliches Mitleid,
Und spar die jedes Klischee!

Ja, es geht mir beschissen,
Ja, es ist wegen Dir!
Doch davon willst du nichts wissen,
Sonst wärst du sicherlich hier – bei mir.

Ich hasse Dich!
Ich hasse Dich!
Ich hasse Dich!
Ich hasse Dich!

Absolut nichts ist mehr heilig
Absolut nichts steht noch fest
Ich hätte niemals erwartet,
Das du mich einfach verlässt.

Ich hasse meine Gefühle
Und meine Hilflosigkeit
Aber ich bin mir ganz sicher,
Das geht vorbei mit der Zeit – mit der Zeit.

Am Morgen geht die Sonne auf
Und ich hasse Dich!
Die Welt nimmt weiter ihren Lauf
Und ich hasse Dich!
Menschen gehen von A nach B
Und ich hasse Dich!
Im Winter fällt ein bisschen Schnee

Manchmal wünsch‘ ich mir, ich wäre tot
Keine Gefühle – kein Problem
Das klingt nach ’nem verlockenden Angebot
Aber ich werd’s überleben
Und mit Glück – bleibt nur eine Narbe zurück.“

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6 Antworten to “La chair est triste, hélas, et j´ai lu tous les livres.”

  1. rabenparadox Says:

    du hast es sicherlich mitgekriegt,
    chance vertan,
    zu lange bin ich dir wie dumm hinterhergerannt, und du hast es ins lächerliche gezogen, gar als geheuchelt dahingestellt.

  2. nein kein rat, keine schlauen worte dazu, du hast es geschafft das ich diesen text mit tränen lese.

    zitat: Liebe = Verwundbarkeit, Starke Liebe = Drahtseilakt, Absolute Liebe = Tod

    in freundschaft ❤ ich drück dich.

  3. Mein Hase!!!
    Oh ja wie recht du hast!
    aber man darf nie den lichtblick am anderen ende vergessen!!!
    dann da stehe ich mit offenen armen die dich warmhalten!
    lieb dich schatzi!!!

  4. Oha der Text ist richtig richtig gut und ich weiß genau wovon du da redest … also das hier passt zu meiner situation auch mal perfekt …

    „Dann ist wiedermal ein Problem erfolgreich verdrängt, meine Emotionen weiter abgestumpft, meine Fähigkeit anderen Menschen zu vertrauen wieder vermindert und vor allem meine Fähigkeit zu lieben wiedermal kurz und klein geschlagen, nur gelöst ist wiedermal garnichts.“

    das dauert immer monate bis es wieder gut läuft …..

  5. immer fortlaufender teufelskreis? so kenn ichs nur von mir selber… stehst du aufrecht und willst wieder einigermaßen guter hoffnung den ersten schritt wagen, wirst du wieder nach unten getreten und darfst das ganze solange versuchen, bis dir kraft und selbstmitleid einen strich durch die rechnung machen. halte nicht nur solange aus wie du musst, sondern solange, wie du kannst.

  6. andre anna Says:

    tim. ab inne schublade des verdrängens. ich wär ma sehr stark dafür, dass du dein auftreten als emotionaler krüppel n gang zurück schaltest. ich hab dir schon 1000 mal gesagt, dass sich das leben immer und immer wieder verändert. dass man auffe fresse fällt und sich die zähne raushaut. aber dann geht man halt zum zahnarzt und der macht dir ne 1a proteste, alles klar?! und menschen verändern sich auch. und dagegen sollte man sich nich wehren, weil das nunma einfach der lauf der dinge is. dit is nich immer schön und wahrscheinlich auch fürchterlich schmerzhaft. aber das sollte nich der grund sein um sein leben kaputt zu denken. alles schon 100 ma jesacht.
    wenn du trotzdem mal das bedürfnis hast, dich brachial zu besaufen, so mit ekstase und 1a filmriss, ich bin das ganze nächste we in köln.
    hör mgmt time to pretend und freu dich.
    rinjehaun!

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