a long journey

Wiedermal in einem Zug. Wiedermal auf dem Weg in eine weit entfernte Stadt.
Und mit jeder Meile die der Zug sich vorwärts bewegt, weg von Zuhause, fühle ich mich heimischer. Nicht das es mir zuhause nicht gefiele, aber ich bin nicht besonders gerne über längere Zeit an dem selben Ort. Die Frankfurter Skyline verschwindet langsam in der Schwärze der Nacht und ich lehne mich gemütlich in den bequemen Sitz dieses ICEs.
Manchmal frage ich mich nach dem Grund für meine stete Unrast. Meine innere Unruhe.
Was ist es, das ein Gefühl von Wohlbehagen in mir auslöst, wenn ich in einer fremden Stadt das Bahnhofsgebäude verlasse und die ersten Sinneseindrücke der Metropole auf mich wirken lasse.
Spannung durchflutet mich. Neugier, auf alles was diese neue Stadt mir wohl zu bieten hat. Die Häuser, die Menschen darin und deren Geschichte.
Ein Reisender, der nach immer neuen Anekdoten von Menschen die ihm unterwegs begegnen.
Und dabei geht es mir nicht nur um die neue Umgebung und die fremden Menschen.Schon das Gefühl einfach Unterwegs zu sein, weckt tiefe Behaglichkeit in mir.Ein ruheloser Geist, der schon viel gesehen hat, aber einfach nicht genug bekommen kann.Wahrscheinlich ergibt all mein Handeln irgendwann einen Sinn. Irgendwann werden ich verstehen warum ich mich selber ständig dazu treibe durch die Welt zu reisen.Ein Großteil der Befriedigung in mir rührt sicherlich davon, dass ich den Problemen die sich an einem Ort angesammelt haben für einige Zeit entrinnen kann und da ich zuhause nun doch noch die meiste Zeit verbringe, ist die Erleichterung von dort weg zu kommen am größten.Oft sind meine Ausflüge in die Ferne begleitet von wilden Party Exzessen und der ein oder anderen wirklich Spannenden Begebenheit.Ich recke die Nase in den Wind und es riecht nach Abenteuer.Die Landschaft neben mir zieht mit wahrscheinlich über 250 Stundenkilometern an mir vorbei und mich ergreift zum ersten mal seit langer Zeit eine tiefe innere Ruhe. Trotz des Unbekannten das folgt, trotz der Neugier, hier habe ich massig Zeit, Zeit um mir meine Gedanken zu machen.Und die mache ich mir, wahrscheinlich intensiver und klarer als irgendwo sonst.Manche meiner Probleme erscheinen auf einer Reise einfach nur noch lächerlich klein.Nichtig, bis ich am Ende des Wochenendes wieder in den gewohnten Trott des Alltages zurückfalle und mich der Trostlosigkeit meines heimatlichen Zimmers ergebe. Mir drängen sich Fragen auf.Wie lange soll und kann das noch so weitergehen, wann hat die Haltlosigkeit endlich ein Ende und was wird aus den Menschen, die ich auf meinen Reisen treffe. Was noch viel wichtiger ist, was wird aus den Menschen, die ich immer und immer wieder hinter mir zuhause zurücklasse.Alle meine Wochenenden verplane ich dreifach, muss mich schließlich für eine Option entscheiden, doch woher weis ich, welche die Richtige ist. Wenn ich dorthin fahre, werde ich woanders das Ereignis des Jahres verpassen und umgekehrt?Panische Angst davor, etwas zu verpassen. Sie begleitet mich schon mein Leben lang.Damals als kleines Kind konnte ich nichtmal auf den längsten und ereignislosesten Reisen auch nur eine Minute schlafen. In jeder verschlafenen Minute konnte etwas passieren und das hat sich bis heute nicht geändert.Geht es anderen Menschen genauso? Freunden sie sich irgendwann mit ihrem Alltag an und nehmen ihr Leben hin, oder sind sie auch auf der Suche, so wie ich. Auf einer Suche, von der ich nicht weis wohin sie mich führen wird.Ich weis ja nichtmal wonach genau ich suche und ob ich es erkenne wenn ich es gefunden habe.Vielleicht ist der Weg ja doch das Ziel.Natürlich hat auch dieser Form der Freizeitgestaltung große Nachteile. Egal wie viele Menschen man trifft, was man erlebt und wohin die Reise führt. Letzten Endes ist man ständig alleine. Und doch nie wirklich. Bunt geht es zu auf den Straßen der Welt, laut und hastig. Doch im Grunde interessiert sich niemand für mehr als das was er gerade sieht. Und ich frage mich, wie viele Menschen ich noch treffen werde, die ihre Geschichten, ihre Leben so bereitwillig vor mir ausbreiten werden wie bisher. Wahrscheinlich noch einige, denn auch wenn es vielleicht nur wenige Minuten oder Stunden sind, so genießen sie in dieser Zeit doch meine volle Aufmerksamkeit. Nicht wie sonst, wenn die Menschen nur darauf warten, das sie an der Reihe sind mit Reden.

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3 Antworten to “a long journey”

  1. Sehr gelungen.
    Und ja, es gibt solche Menschen die diese innere Unruhe auch mit sich rumschleppen und fast fluchtartig ihre Heimat verlassen weil der Drang nach neuen Orten, nach neuen Abenteuern stärker ist als das Heimatgefühl.
    Mir gehts eigtl schon so seit ich denken kann…genauso wie mit der Einstellung dass man immer und überall präsent sein muss, weil man sonst was verpassen könnte…damit geht,zumindest bei mir, eine gewisse (und störende-.-) ungewissheit einher die sich darin äußert dass es mir sehr schwer fällt entscheidungen zu treffen.
    You’re not alone! 🙂

  2. Wundervoll. Ganz im Ernst.
    Auch wenn es mir selbst nicht unbedingt immer so geht, kann ich dein Gefühl gut nachvollziehen. Und ich finde das Ende klasse,
    mal abweichend vom normalen „Part I – Part II – schließen mit Part I“.
    Auch wenn Miss Valentina das schon sagte: Sehr gelungen.

  3. muriaticum Says:

    Hierunter kann ich wohl unterzeichnen. Meist langweilen mich diese etlichen ruhelosen Vergnügungen allerdings, so dass ich fortwährend neu losziehe, um endlich Befriedigung zu finden. Deshalb gehe ich mittlerweile mit Vorliebe allein aus, da kann ich ohne Rücksicht ausschweifen oder schweigen. Vielleicht aber wil ich auch gar nicht finden, könnte dies mir unerschöpflichem Wesen nämlich beizeiten zu sehr stagnieren?

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