Archiv für März, 2009

Alte Gewohnheiten, oder: Wie der Füller seinen Stolz verlor.

Posted in Der ganz normale Wahnsinn on März 25, 2009 by timserin

Kennt man ja, die meisten von uns werden in der Schule wahrscheinlich mit einem Füllfederhalter gelernt haben zu schreiben.
Hatte ja auch was nostalgisch schönes, gut damals noch nicht aber im Rückblick allemal, so mit blau beklecksten Fingern nach Hause zu kommen und stolz die geschriebenen Zeilen zu präsentieren.
Mit der Zeit verkam schreiben zu einer alltäglichen Tätigkeit, der man nichtmal gerne nachging.
Und sehr, sehr oft wurde spätestens auf einer weiterführenden Schule der Füller gegen einen Kugelschreiber eingetauscht, weil es schneller ging und sauberer war, wenn man mal hastiger schreiben musste.
Also verschwand der Füller im Mäppchen und vegetierte unbeachtet von uns vor sich hin.
Er sah viele Kugelschreiber kommen – und auch wieder gehen, und lag einfach so in der muffigen Dunkelheit vor sich rum.
Eines Tages packte uns jedoch die Sehnsucht, nach den schön glänzenden, geschwungenen Linien unseres Federhalters und wir kramen ihn hervor.
Nur, an die Gefühle des Tintenschreiberlings denkt natürlich niemand. Wir ziehen in nach Monaten, ja Jahren des Desinteresses einfach wieder hervor und erwarten das er uns so treue Dienste leistet wie in vergangenen Tagen.
Der Füller nun könnte sich weigern. Er könnte die eingetrocknete Feder nicht wieder ins Leben rufen und uns hängen lassen.
Wir würden kurz und heftig mit ihm über das Papier krakeln, kurz fluchen und ihn wieder wegstecken oder gar wegschmeißen.
Doch was tut er in der Realität?
Er vergisst seinen Stolz und die Kränkungen der letzten Zeit und erfreut uns mit einem neuerlichen Fluss an marineblauer Tinte und unsere Gefühle für den Füller steigern sich ins unermessliche, auch wenn wir in wahrheit nichtmal ansatzweise zu schätzen wissen das er uns diesen Dienst nicht verweigert.

Ich bin der Füller.

20 Sekunden Horrortrip

Posted in Der ganz normale Wahnsinn on März 23, 2009 by timserin

Ich öffnete die Tür des Zimmers. Es lag in einem düsteren Zwielicht und meine Augen mussten sich erst an die Dunkelheit gewöhnen. Als ich alles etwas besser sehen konnte, sah ich SIE.
SIE lag auf dem schwarzen Sofa in merkwürdig verdrehter Pose.
Ein Arm lag hinter IHREM Kopf und zeigte zur wand, der andere baumelte von der Couch herunter und IHRE Finger berührten ganz sachte den Dielenboden. IHRE Beine hatten sich in einem komplizierten Gewirr mit der Wolldecke, welche auf dem Sofa zu liegen pflegte, verknotet.
IHRE nackte, schneeweiße Haut hob sich deutlich vom Schwarz der Couch ab und wirkte seltsam deplatziert.
Mit angehaltenem Atem näherte ich mich IHR.
Im näherkommen hörte ich mein Herz laut pochen und das Blut rauschte mir durch die Ohren.
IHRE Hand war schlaff und kalt.
Kein Puls, keine Reaktion als ich SIE berührte. Verzweiflung stieg in mir hoch.
Ich flüsterte IHREN Namen, die Tränen rannen mir über die Wangen. In schrecklicher Trauer, gepaart mit Verlustängsten rief ich erneut laut IHREN Namen.
Erschrocken öffnete SIE die Augen und sah mich an.
„Du liebst mich.“, sagte SIE und küsste mich und ich,
-wache schweißgebadet mit IHREM Namen auf den Lippen auf.

In den 20 Sekunden, in denen ich SIE für tot gehalten hatte, empfand ich Furcht, Abscheu und Bedauern, aber in einem tiefen, unerforschten Winkel meiner Selbst hatte ich auch erkannt, das ich ohne SIE leben kann, konnte und können werde.

Kein schöner Traum.