Alte Gewohnheiten, oder: Wie der Füller seinen Stolz verlor.

Kennt man ja, die meisten von uns werden in der Schule wahrscheinlich mit einem Füllfederhalter gelernt haben zu schreiben.
Hatte ja auch was nostalgisch schönes, gut damals noch nicht aber im Rückblick allemal, so mit blau beklecksten Fingern nach Hause zu kommen und stolz die geschriebenen Zeilen zu präsentieren.
Mit der Zeit verkam schreiben zu einer alltäglichen Tätigkeit, der man nichtmal gerne nachging.
Und sehr, sehr oft wurde spätestens auf einer weiterführenden Schule der Füller gegen einen Kugelschreiber eingetauscht, weil es schneller ging und sauberer war, wenn man mal hastiger schreiben musste.
Also verschwand der Füller im Mäppchen und vegetierte unbeachtet von uns vor sich hin.
Er sah viele Kugelschreiber kommen – und auch wieder gehen, und lag einfach so in der muffigen Dunkelheit vor sich rum.
Eines Tages packte uns jedoch die Sehnsucht, nach den schön glänzenden, geschwungenen Linien unseres Federhalters und wir kramen ihn hervor.
Nur, an die Gefühle des Tintenschreiberlings denkt natürlich niemand. Wir ziehen in nach Monaten, ja Jahren des Desinteresses einfach wieder hervor und erwarten das er uns so treue Dienste leistet wie in vergangenen Tagen.
Der Füller nun könnte sich weigern. Er könnte die eingetrocknete Feder nicht wieder ins Leben rufen und uns hängen lassen.
Wir würden kurz und heftig mit ihm über das Papier krakeln, kurz fluchen und ihn wieder wegstecken oder gar wegschmeißen.
Doch was tut er in der Realität?
Er vergisst seinen Stolz und die Kränkungen der letzten Zeit und erfreut uns mit einem neuerlichen Fluss an marineblauer Tinte und unsere Gefühle für den Füller steigern sich ins unermessliche, auch wenn wir in wahrheit nichtmal ansatzweise zu schätzen wissen das er uns diesen Dienst nicht verweigert.

Ich bin der Füller.

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7 Antworten to “Alte Gewohnheiten, oder: Wie der Füller seinen Stolz verlor.”

  1. Hey 🙂
    Ich finde den Vergleich mit dem Füller ganz interessant, wobei ich selbst meinen aus der ersten Klasse immernoch benutze, ich gehe ja auch noch zur Schule, aber sicherlich trifft dein Ansatz in den meisten Fällen dennoch zu.

    Der letzte Satz unterschreibt dann noch mal ganz gut die verwendeten Personifizierungen des Stifts: fein 🙂

    LG, Jen

  2. Valentina Says:

    ich wusste einfach dass am ende sowas kommen wird, eine pointé sozusagen 😉

  3. mein süßer, den letzten satz hättest du weg lassen können.
    nur noch eine frage, ok der füller hat alles verdrängt was ihm angetan worden ist – schön und gut, aber hat er nicht angst irgendwann wieder in die schublade zu verschwinden, wenns dem schreiber wieder zu mühselig wird und sich dann doch wieder den kulli anschafft.
    ich habe meinen füller bis heute noch, er könnte auch irgendwann kaputt gehen, aber wegwerfen werde ich ihn nie.

    denk mal drüber nach! wir sprechen uns.

    hab dich lieb mein kleiner<3

  4. sehr schöne texte.
    und welch wunderbarer zufall, dass yonca dich verlinkt hat, und ich dadurch sehe, dass du meinen alten blog verlinkt hast.
    vielen dank auch 🙂

  5. Ach. Fein.
    Glaub daran, dass der Schreiber die Kunstwerke zu schätzen weiß, die du vollbringst.

  6. Der Füllervergleich ist sehr gut aber die Personen die dich zeitweise ersetzen und nach Jahren glauben sie könnten dich so wie in alten Zeiten zurück haben dann wissen sie dich nicht zu schätzen. Nur die Leute die den Füller zu schätzen wissen, wissen das kein Kulli sie ersetzten kann.

  7. friedrichtorberg Says:

    Ich bewundere deinen Schreibstil und hoffe bald mehr von dir zu lesen!

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