Silent Steeples

Posted in Der ganz normale Wahnsinn on Februar 25, 2010 by timserin

Ich habe das schreckliche Gefühl, das ich bestimmte Talente meiner Person einbüße.
Man sehe sich nur einmal an, wie lange mein letzter Eintrag hier her ist, mit jedem Tag an dem ich nicht schreibe, verkümmert eben jene Fähigkeit zu schreiben. Meine Ausdrucksweise wird flacher und der sprachliche Elan, mit dem ich immer in jede noch so aussichtslose Diskussion eingestiegen bin, flacht ab.
Das gibt mir zu denken. Sehr. Denn eben solche Eigenschaften waren Dinge über die ich mich identifiziert habe.
Was gab es also in dieser langen Zeit der lyrischen Abstinenz?
Nun…nichts. Es ist alles passiert und nichts. Ich habe eine Ausbildung angefangen und bin rausgeschmissen worden. Bin nach Koblenz gezogen und bereite gerade meinen Umzug nach Berlin nächsten Monat vor. Ich war feiern und habe es wie immer maßlos übertrieben. Die Beziehung die ich mir noch in meinen letzten Einträgen so sehr gewünscht habe…nunja ich habe sie bekommen und wieder in den Sand gesetzt.
Nichts verändert sich wirklich, die Dinge bekommen nur andere Namen.

So habe ich das Gefühl in der Luft zu hängen, zwischen all diesen Sinneseindrücken, die auf meine Seele einstürmen, wie ein Trommelfeuer 9mm Patronen. Unfähig, mich zu bewegen, den Dingen oder dem Lauf der Zeit einen Stoß zu verpassen. Irgendetwas ins Rollen zu bringen. Nur dieses überwältigend große Gefühl der Ohnmacht.
Nicht zu wissen was kommt, was passiert und ob sich überhaupt irgendwas in absehbarer Zeit ändert.
Eines allerdings muss man diesem Zustand der Hilflosigkeit hoch anrechnen, und zwar das ich ausgiebig Gelegenheit dazu bekam meine Gefühle aufs genaueste kennen zu lernen.
Super, das was unzählige Bekanntschaften immer wieder versucht haben, trat nun ganz von selbst auf, nur weil es einfach nichts anderes gab/gibt, auf das ich mich konzentrieren könnte. Und ich hasse es.
Es ist einfach nur schrecklich Deprimierend, sich mit Gefühlen wie Zukunftsängsten, Herzschmerz oder Einsamkeit auseinander zu setzen und ich hoffe das ich diesem Teufelskreis alsbald entfliehen kann.

Wahrscheinlich bin ich einfach genauso deprimiert wie alle anderen Menschen in Deutschland auch, die seit Wochen keine Sonne mehr gesehen haben. Vllt brauchen wir alle einfach mal wieder eine Dosis Sonne, gepaart mit Frühlingsgefühlen.
Hoffe ich.

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Mitternächtliche Offenbarung

Posted in Der ganz normale Wahnsinn on Juli 11, 2009 by timserin

Verstört blicke ich das Gesicht mir gegenüber an.
Lese in seinen Zügen in seiner Geschichte wie in einem offenen Buch. Das ist eines meiner Talente, die Geschichten der Menschen denen ich begegne an ihren Gesichtern abzulesen, hinter die Maske zu sehen. So weit ich diese Kunst auch perfektioniert habe die letzten Jahre, so unfähig bin ich diese auf mich selber anzuwenden.
Nun also zu diesem Gesicht in meinem momentanen Focus.
Es ist gezeichnet durch viele Erfahrungen, die sich deutlich in die noch junge Haut eingegraben haben. Die Augen blicken leer in die meinen und haben die triste Farbe von dreckigem Schnee, der am Rande einer mehrspurigen Autobahn liegt. Und noch brennt ein Feuer in ihnen, ein Funkeln, welches verrät das der Besitzer die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben hat. Er ist ein Kämpfer, das sieht man ihm an. Narben zeugen von einigen Abenteuern, vielleicht auch von der ein oder anderen Kneipenschlägerei. Seine Haare sind durcheinander und ungewaschen, erwecken vor meinem geistigen Auge das Bild eines Straßenköters, der viel mitgemacht hat, aber immer stolz seines Weges gegangen ist. Von diesem Stolz zeugt auch seine Haltung, die Nase hoch in den warmen Südwind des fliehenden Abends gereckt. Aufmerksam die Luft einziehend, auf der Suche nach einem bestimmten Geruch, dem Geruch von Lagerfeuern, Großstadtsmog und einem Hauch von Zimt in weiter ferne.
Eben der Geruch des Abenteuers.
Wie Schriftzeichen haben sich all die verpassten Gelegenheiten in sein Antlitz gemeißelt, jede gute Idee die aufgrund ihrer Absurdität gleich wieder verworfen wurde, all die gebrochenen Versprechen und die verlorenen Momente springen mir förmlich ins Auge.
Bei dieser Art der Analyse beschränke ich mich meistens auf solche Details und lasse trauriger weise das Gesamtbild  zu häufig ausser Acht und doch ist mir diese oberflächliche Betrachtungsweise diesmal nicht genug. Ich nehme das Gesicht meines Gegenübers als ganzes in meinen Blick. Auf seine verschroben melancholische Art und Weise ist es ansprechend, zu speziell um wirklich als schön durchzugehen, aber nicht unattraktiv.
Es zeugt von vielen gerauchten Zigaretten, rasch hinuntergekippten Drinks und von einer Vielzahl langer und tiefschürfender Gespräche an allen möglichen Orten dieser Welt und ich weis nicht wie ich meine Empfindungen einschätzen soll, die von der Masse der gelieferten Informationen wirre Kreise drehen. Unfähig meinen Blick abzuwenden versuche ich, mir jedes kleine Detail einzuprägen, doch will mir das nicht so recht gelingen. Wie Sand rieseln die Eindrücke durch mich hindurch. Eingehend fixiere ich wieder diese Augen, die von einer tiefe Zeugen in der man sich nur zu leicht verlieren kann, ob auf die eine oder die andere Weise, als mir ein Windstoß durch die Haare fährt und die Bäume um mich herum zum wanken bringt.
Irgendwo weit über meinem Kopf löst sich ein Blatt von einem der Äste, unfähig dem fordernden Wind standzuhalten und segelt langsam der Erde entgegen.
Es landet auf der bis eben noch spiegelglatten Oberfläche des Teichs vor mir und das Gesicht, eben noch so konkreter Gegenstand meiner Untersuchung, verschwimmt und wird zur Unkenntlichkeit  verzerrt.

Alte Gewohnheiten, oder: Wie der Füller seinen Stolz verlor.

Posted in Der ganz normale Wahnsinn on März 25, 2009 by timserin

Kennt man ja, die meisten von uns werden in der Schule wahrscheinlich mit einem Füllfederhalter gelernt haben zu schreiben.
Hatte ja auch was nostalgisch schönes, gut damals noch nicht aber im Rückblick allemal, so mit blau beklecksten Fingern nach Hause zu kommen und stolz die geschriebenen Zeilen zu präsentieren.
Mit der Zeit verkam schreiben zu einer alltäglichen Tätigkeit, der man nichtmal gerne nachging.
Und sehr, sehr oft wurde spätestens auf einer weiterführenden Schule der Füller gegen einen Kugelschreiber eingetauscht, weil es schneller ging und sauberer war, wenn man mal hastiger schreiben musste.
Also verschwand der Füller im Mäppchen und vegetierte unbeachtet von uns vor sich hin.
Er sah viele Kugelschreiber kommen – und auch wieder gehen, und lag einfach so in der muffigen Dunkelheit vor sich rum.
Eines Tages packte uns jedoch die Sehnsucht, nach den schön glänzenden, geschwungenen Linien unseres Federhalters und wir kramen ihn hervor.
Nur, an die Gefühle des Tintenschreiberlings denkt natürlich niemand. Wir ziehen in nach Monaten, ja Jahren des Desinteresses einfach wieder hervor und erwarten das er uns so treue Dienste leistet wie in vergangenen Tagen.
Der Füller nun könnte sich weigern. Er könnte die eingetrocknete Feder nicht wieder ins Leben rufen und uns hängen lassen.
Wir würden kurz und heftig mit ihm über das Papier krakeln, kurz fluchen und ihn wieder wegstecken oder gar wegschmeißen.
Doch was tut er in der Realität?
Er vergisst seinen Stolz und die Kränkungen der letzten Zeit und erfreut uns mit einem neuerlichen Fluss an marineblauer Tinte und unsere Gefühle für den Füller steigern sich ins unermessliche, auch wenn wir in wahrheit nichtmal ansatzweise zu schätzen wissen das er uns diesen Dienst nicht verweigert.

Ich bin der Füller.

20 Sekunden Horrortrip

Posted in Der ganz normale Wahnsinn on März 23, 2009 by timserin

Ich öffnete die Tür des Zimmers. Es lag in einem düsteren Zwielicht und meine Augen mussten sich erst an die Dunkelheit gewöhnen. Als ich alles etwas besser sehen konnte, sah ich SIE.
SIE lag auf dem schwarzen Sofa in merkwürdig verdrehter Pose.
Ein Arm lag hinter IHREM Kopf und zeigte zur wand, der andere baumelte von der Couch herunter und IHRE Finger berührten ganz sachte den Dielenboden. IHRE Beine hatten sich in einem komplizierten Gewirr mit der Wolldecke, welche auf dem Sofa zu liegen pflegte, verknotet.
IHRE nackte, schneeweiße Haut hob sich deutlich vom Schwarz der Couch ab und wirkte seltsam deplatziert.
Mit angehaltenem Atem näherte ich mich IHR.
Im näherkommen hörte ich mein Herz laut pochen und das Blut rauschte mir durch die Ohren.
IHRE Hand war schlaff und kalt.
Kein Puls, keine Reaktion als ich SIE berührte. Verzweiflung stieg in mir hoch.
Ich flüsterte IHREN Namen, die Tränen rannen mir über die Wangen. In schrecklicher Trauer, gepaart mit Verlustängsten rief ich erneut laut IHREN Namen.
Erschrocken öffnete SIE die Augen und sah mich an.
„Du liebst mich.“, sagte SIE und küsste mich und ich,
-wache schweißgebadet mit IHREM Namen auf den Lippen auf.

In den 20 Sekunden, in denen ich SIE für tot gehalten hatte, empfand ich Furcht, Abscheu und Bedauern, aber in einem tiefen, unerforschten Winkel meiner Selbst hatte ich auch erkannt, das ich ohne SIE leben kann, konnte und können werde.

Kein schöner Traum.

GedankenFalter

Posted in Der ganz normale Wahnsinn on Februar 6, 2009 by timserin

Was auch immer ich tue. Was auch immer ich sage. Was auch immer ich denke. Was auch immer ich fühle. Ist es denn wichtig? Für die Gesellschaft??? Ich denke nicht. Was bringt es schon sich den Kopf zu zermartern was andere von einem denken, einem gegenüber fühlen… Eine Antwort erhälst du nicht. Nur Vermutungen und Annahmen. Doch diese können täuschen. Sehr sogar.
Aber wer kann schon etwas gegen Gedanken tun?! Sie fließen einfach. Man kann ihnen nur lauschen und sich im schlimmsten Fall bis auf die Grundmauern des eigenen Selbst schleifen lassen… Man frag sich: Warum lasse ich das zu? ICH antworte mir: Weil ich es irgendwie WILL. Ich will sterben. Tausende Male. Und immer wieder neu geboren werden. Auf dass der Fluss der Selbstmarter in einem Meer aus Tränen des Glücks münden möge. Ein ganzes Gebirge, das sich einen Weg hinfort vom geplagten Herzen bahnt. In diesem Meer nie mehr gefühlt unter geht.
Dies ist meine Liebe und meine Wut, ein Lachen und eine Träne. Leiden! Liebe ich es zu leiden? Nennt man das Liebe? Absurdität? Schmerzgeilheit?!? Ist denn die Antwort wesentlich? Ich bin ich und du bist du. Wir SIND!!! DAS zählt doch.

Sich selbst aufgeben? – Nur äußerlich.
Alles Leben und Lieben hassen? – Ein Machtspiel…Wer hält durch?!
Sich in dieser Agonie verlieren? – Ganz tief verwurzelt und doch nur äußerlich.
Den Geist von Gefühlen leer fegen? – leider[?] nur eine Fassade.
Die Fahne der Freundschaft und Liebe hoch halten? – Im Strom meines Herzblutes ertrinkend…Wesentlich!

I will wake you up at night…

Sonne im Gesicht, Hände in den Taschen

Posted in Der ganz normale Wahnsinn on Januar 8, 2009 by timserin

Die Winterferien sind mal wieder vorüber. 
Schade eigentlich, den es war eine, ja doch, schöne Zeit. Zumindest größtenteils.
Irgendwann in dieser ruhigen, dunklen aber auch sehr familiären Zeit habe ich den Entschluss gefasst, den nächsten Abschnitt meines Lebens, welcher ab Mitte des Jahres, mit dem Ende der HBF beginnt, nicht in Deutschland zu verleben.
Zunächst dachte ich an Auswandern, aber das ist ja auch alles ein ziemlicher Organisationsaufwand, also habe ich eine Stufe kleiner nach Lösungen gesucht.
Entschieden habe ich mich vorerst für ein freiwilliges soziales Jahr, am liebsten in Alaska.
Ich liebe die Landschaft und Natur in Alaska und das wäre bestimmt mal ein guter Gegensatz zu der Umgebung und Lebensweise, welcher ich die letzte Zeit anhing.
Das wäre ein Jahr, in dem ich Zeit hätte mich mit den Dingen, die mich, auch in meinen Blogs, beschäftigen und mit mir selber ausgiebig auseinander zu setzten, in dem ich zur Ruhe und vielleicht auch zu innerer Zufriedenheit gelangen könnte.
Klar, das im Laufe dieser Überlegungen etwas passieren musste, was all meine schönen Vorstellungen ins schwanken bringen konnte.
Ich habe etwas gefunden, etwas von dem ich nicht wusste das es noch existiert und das ich lange gar nicht mehr kannte. Nun liegt es an mir meinen Fund zu pflegen und zur Blüte zur treiben.
Nach Alaska will ich trotzdem. Auch wenn mir die Temperaturen vor meiner eigenen Haustür momentan einen ungemütlichen Vorgeschmack auf die dortigen klimatischen Verhältnisse vermitteln. Da macht Ferienende nochmal gleich so viel Spaß, wenn man bei -20°C um 7AM am Bahnhof steht und vor lauter Zittern kaum die Zigarette halten kann.
Umdrehen weiterschlafen heißt da die Devise.
Bis morgen früh.

Kaffe, Kippe, Sinnkriese.

Posted in Der ganz normale Wahnsinn on Dezember 29, 2008 by timserin

Augen auf, der Kopf wehrt sich vergebens gegen diesen hämmernden Schmerz, der hinter beiden Schläfen pocht. Ich stehe im Badezimmer. Naja, nicht in meinem, also stehe ich in einem Badezimmer. Es ist bitterkalt und ein frösteln klettert meine nackten Beine hinauf. Das helle Tageslicht blendet und ich kneife meine Augen fest zusammen. In der entstandenen Dunkelheit flirren die Bilder der letzten Nacht wie ein unscharf aufgenommener Film vorbei.Tanzende Schatten die ab und zu verzerrt aus Nebel und Zigarettendunst auftauchen, Menschen, Gesichter, mit verschmierten Konturen und verwischter Struktur. Angeekelt wende ich meinen Blick wiedermeiner Umgebung zu.
Bloß nicht mit den Schatten der vergangenen Nacht herumschlagen, diese Schose nicht noch einmal durchleben, nur an etwas anderes denken, nur an was? An Morgen? Nein, auch nicht an morgen, denn von morgen weis ich noch weniger als von gestern und mit behagen erfüllt mich das nicht. Also an das jetzt un hier, jenen zweifelhaften Zustand zwischen gerade mit albtraumhaftem Kater aufgewacht, nach Klamotten, Kippen, Alkohol oder eventueller weiblicher Begleitung gesucht und der Frage wo und mit wem man sich später am Tag noch abschießen kann. Leben auf der Überholspur, die man so schnell nicht mehr verlässt. Zum einen, weil auf den gemütlicheren Fahrstreifen der Verkehr zu dicht ist, zum anderen aber auch weil ungestört Gas geben zu können ein verdammt noch mal geiles Gefühl ist. Ich werde immer euphorischer und spüre die Kälte des steril wirkenden Raumes kaum noch.
Unter anderen Umständen könnte ich gut noch ein wenig Zeit damit verbringen, hier zu stehen und über meinen Lebensstil und -standart nachzudenken, aber wer weiß wer hier noch so alles auf die Toilette muss, bin ja wahrscheinlich nicht alleine hier, wo immer ich auch genau bin.
„Kaffee ist fertig!“
Aha es sind tatsächlich andere Menschen anwesend hier und sie haben Kaffee gekocht. Hatte echt schon schlechtere Starts in den Tag.
Ich ziehe mich soweit an, wie mir die bruchtückhafte Ausstattung meiner Kleidung erlaubt und krame gedankenverloren nach meinen Zigaretten.
Im rausgehen werfe ich noch schnell einen kurzen Blick in den hier hängenden Spiegel und die Spuren, die die letzte Zeit auf meinem Körper hinterlassen hat. Aus dem benachbarten Raum riecht es nach Kaffee.
Ich hatte echt schon schlechtere Starts.